Sweatshop – Deadly Fashion

Gerade ist die Fashion Week rum und alle freuen sich über die neue Mode und die Trends und was 2015 alles noch so kommen mag. Man weiß nicht genau, ob die skandinavische Tageszeitung Aftenposten nicht gerade deshalb vor ein paar Tagen durch eine Doku Schlagzeilen machte, die die Kehrseite der Mode noch mal unter die Lupe nimmt und drei norwegische Modeblogger nach Kambodscha schickt. Dort sollen sie nicht nur sehen, sondern richtig fühlen wie ihre Trendteile hergestellt werden. Denn als halbwegs gebildeter Europäer weiß man zwar über die Zustände in den Sweat Shops Bescheid. Aber ändern wir dadurch unser Konsumverhalten?

Anniken, Frida und Ludwig sollen also nach Kambodscha, um dort mal herauszufinden, wie ihre Klamotten, für die sie im Monat bis zu 600 Euro ausgeben, hergestellt werden. Klingt nach großem Abenteuer, raus in die Welt und so. Neue Leute treffen, hier n Selfie schießen und auf Instagram posten. Am Anfang finden sie das alles auch noch sehr lustig.

Aber dann treffen sie auf reale Menschen, die für unter einen Euro Kleider nähen, die im Westen für 50 Euro verkauft werden. Schlafen in Baracken und müssen für 9 Dollar zehn Menschen ernähren und sich Zahnbürsten kaufen. Denn umgerechnet 3 Dollar stehen den Nähern am Tag zur Verfügung. Für Miete, Strom, Lebensmittel und die Familie. Auf einmal nehmen die drei Teens mit allen Sinnen wahr, was es heißt, unter miserablen Umständen zu Leben und zu arbeiten. Das halten sie kaum aus.

Diese kurze aber heftige Doku ist wichtig. Weil sie uns wieder ins Bewusstsein ruft, dass ein Großteil unserer Klamotten unter erschreckenden und kaum tragbaren Bedingungen hergestellt werden. Und dass die Menschen, die dafür zuständig sind, dass wir im Winter billig und warm angezogen sind, hungern und ein Leben führen, dass von anderen Leuten als nicht lebenswert erachtet wird. Es reicht auch nicht aus, zu sagen, „Die sind das so gewohnt, sie kennen es nicht besser“, so wie Anniken es anfangs macht. Damit schreibt man ihnen nicht nur per se einen beschränkten Horizont zu. Es erweckt auch den Anschein, als würde man ihnen ein besseres Leben nicht gönnen.

Die Episoden haben mir über die Bedingungen der Arbeiter keine neuen Informationen gegeben. Den Anspruch hatte die Produktion aber glaube ich auch gar nicht. Sie soll – wie schon so viele Artikel, Reportagen und Dokumentationen wachrütteln. Sie demonstriert unglaublich unfaire Bedingungen, sodass den Bloggern die Worte fehlen. Aber es kann auch nicht sein, dass wir alle erst nach Kambodscha reisen müssen, um unser Verhalten zu ändern. Es ist ja auch unrealistisch zu sagen, dass man nie mehr ein Teil bei H&M, Mango oder adidas kauft. Aber wieso findet es sich keine Lösung?

Die Arbeiter wollen nicht viel – nur angemessen entlohnt werden. Bisher bekommen sie Hundert Dollar. Doch sie brauchen 160. Das ist für uns ein Pullover, ein paar Sneaker oder eine Tasche im Monat, auf die wir verzichten müssten. Für sie aber mehr als die halbe Miete.

Alle Episoden könnte ihr euch hier mit englischem Untertitel anschauen.

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