Die anonymen Romantiker

Ich habe letztes Wochenende in der Schokoladenhochburg Brüssel verbracht, beim Manneken Pis und auf der Suche nach den berühmten belgischen Pommes. Die frittierten Freunde, die meine Mädels und ich gefunden haben, konnten uns zwar nicht überzeugen. Dafür fanden wir großartige Waffeln und eine immense Lust auf Schokolade. Bot sich also an, nach der Rückkehr ins graue Köln einen Film zu schauen, der das Genussmittel zelebriert. Und die Liebe! Ja, mit der Liebe macht man im Film grundsätzlich nichts falsch. Deshalb bot sich „Die anonymen Romantiker“ an, ein französischer Spielfilm von Jean-Pierre Améris aus dem Jahre 2011:

Die hochsensible Angélique (Isabelle Carrée) fängt als Außendienstmitarbeiterin bei einem Chocolatier an. Das war ihrerseits gar nicht so geplant, die gelernte Superschokoladenproduzentin wollte nämlich eigentlich nur eins: Pralinen herstellen. Am besten in einem kleinen Kämmerlein, wo niemand sie sieht. Mit Menschen reden, sie berühren oder sogar irgendwo im Mittelpunkt stehen, überfordert die Arme ganz furchtbar und es kann passieren, dass sie in Ohnmacht fällt. Beim Vorstellungsgespräch mit dem angeblich strengen Chef Jean-René (Benoît Poelvoorde) lief da aber etwas falsch und Angélique ist nachher zu schüchtern, um zu kündigen. Also ergibt sie sich vorerst ihrem Schicksal und versucht, die als etwas zu konservativ geltende Schokolade ihrer Firma zu verkaufen.

Der Firmeninhaber Jean-René wiederum ist auch nicht gerade ein kontaktfreudiger Mensch, der mit  Offenheit seine Umgebung entertaint. Eher im Gegenteil. Wöchentlich lässt er sich von seinem Therapeuten Aufgaben geben, damit überhaupt so etwas wie soziale Interaktion zwischen ihm und seinen Mitmenschen entsteht. Die erste: Er soll jemanden zum Essen einladen. Dafür wählt er ausgerechnet seine neue Mitarbeiterin Angélique aus.

Natürlich wissen wir Zuschauer relativ schnell, dass die beiden auf sich stehen. Natürlich wissen wir auch, dass es bei den Franzosen und der Liebe gut ausgehen muss. Aber alles zwischen dem ersten Salut und dem letzten Au-revoir-Kuss ist bei dieser französischen Liebeskomödie eine kleine Überraschungstüte. Man kann sich nur darauf verlassen, dass der Regisseur Améris es schafft, die großen und wichtigen Themen Schokolade und Liebe in eine zarte Geschichte einzupacken. Leicht und zugleich tiefsinnig nimmt er den Zuschauer und dessen Herz mit. Dieser Film macht Spaß, weil er schwerelos unterhaltend ist, ohne dabei hohl zu sein, wie manch andere klassische Screwball-Komödie.

Die anonymen Romantiker. Frankreich 2011. 80 Minunten. R Jean-Pierre Améris.

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