Als wir träumten

Ich war endlich mal wieder im Kino und habe einen Must-See Film gesehen. Das neue Werk von Andreas Dresen: Als wir träumten. Der Film lief dieses Jahr bei der Berlinale an und hat schon gute Pressestimmen vom Cicero, faz und Spiegel online erhalten. Ich konnte den Film einen Tag vor Anlauf im Off Broadway sehen, der filmsociety sei dank.

Als wir träumten erzählt die Geschichte von fünf halbstarken Jungs, die zur Wendezeit in Leipzig aufwachsen. Dani, Rico, Mark, Paul & Pitbull kennen sich aus Schultagen, als sie noch als Pioniere mit roten Halstüchern die Welt verbessern wollten. Ein paar Jahre später stehen sie mehr oder weniger kurz vorm Abitur und wollen die Welt zwar nicht mehr retten, aber zumindest irgendwie ein Teil von ihr sein. Und Mädchen, Mädchen wollen sie auch. Zum Beispiel Sternchen, Danis große Liebe und das schönste Mädchen in Leipzig.

Die Jungs machen die Nacht zum Tag, hemmungslos und wild. Die Stadt wird ihr Spielplatz, mal klauen sie Autos, mal feiern sie in ihrem selbsteröffnetem Club. Nazis werden angepöbelt und natürlich lässt deren Reaktion nicht lange auf sich warten. Aus der Retrospektive heraus blickt Dani zurück in eine zeit, die ihn heute noch träumen lässt und an die er jeden Tag denkt. Trotzdem bleibt die Narration chronologisch und reißt den Zuschauer von Anfang an gut mit.

Der Regisseur Andreas Dresen und der Drehbuchschreiber Wolfgang Kohlhaase haben einen wunderbaren Coming-of-Age Film erschaffen, der sehr dicht von Freundschaft und Träumen erzählt. Von Zusammenhalt aber auch von Verrat und allem, was zu so einer schönen Jungsgeschichte dazugehört. Es ist ein bißchen, als wären Nick und seine Freunde älter geworden. Mein Bruder, der den Film mit mir gesehen hat, würde an dieser Stelle protestieren. Der Film sei viel ernster als die Geschichten vom kleinen Nick. Und trotzdem seh ich da irgendwie Parallelen. Dani und seine Jungs probieren sich aus und vertreiben ihre Zeit. Sie träumen vom Großen und alle scheitern irgendwie für sich im Kleinen.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer. Am 9. Februar feierte er in Berlin Premiere. Deutschlandweiter Kinostart war der 26.02.2015. Der Titelsong zum Film A new Error von Moderat greift die Atmosphäre des Films auf und treibt sie gut voran.

Als wir träumten. Deutschland 2015. 117 Minuten. R Andreas Dresen. Mit Merlin Rose, Ruby O. Fee. Drehbuch Wolfgang Kohlhaase.

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Musik in den Häusern der Stadt

Ballad of Crows. Foto: Astrid Foerst
Ballad of Crows. Foto: Astrid Foerst.

Vor ein paar Wochen bin ich zufällig auf ein richtig feines Event hier in Köln gestoßen: Musik in den Häusern der Stadt. Ein kleines, unkonventionelles Festival, bei dem die Musiker an ungewöhnlichen Orten auftreten: in Privaträumen. Das kann mal ein Wohnzimmer sein, ein Gutshof oder wie gestern in meinem Fall, der Projektraum Knut Osper.

Im Vorfeld hatte ich mir Karten für eine Band besorgt, von der ich vorher noch nie was gehört hatte: Ballad of Crows. Wobei ich ehrlich sein muss: Ich kannte keinen der Musiker, die im Programmheft vorgestellt wurde. Na egal. Tiefsinnige Texte, Gitarren und drei Cowboys, das klingt nach meinem musikalischen Geschmack, da musste ich hin.

Und, oh boy, was it amazing. Zunächst einmal, weil die Jungs superlocker und sympathisch waren und sich auf die Show mindestens genauso gefreut hatten wie die Gäste. Wenn nicht sogar mehr. Und dann machen sie auch einfach echt gute Musik. Ehrliche Akustik Töne, die zwischen hey, ich hab Bock zu tanzen und lass mich noch was träumen so ziemlich alles abdecken. Mit Gitarre, Geige und Mandoline wurde nebst Walzer auch das ein oder andere funky Stück präsentiert, bei dem leider wegen Bestuhlung mehr als Fußwippen nicht drin war. Das ganze vor Bildern von Kinki Texas, die von martialischen Kreuzrittern, grotesken Pferden und starken Cowboys erzählen. Jungskram eben. Hat voll gepasst.

Einziger Wermutstropfen war teilweise das Publikum. Es wurde zwar mit den Füßen gewippt und auch überschwänglich geklatscht. Mehr leider nicht. Ich weiß nicht, ob es an der Bestuhlung lag oder daran, dass die Mehrheit der Zuschauer 55+ war. Aber ein bißchen mehr Bewegung als Feedback hätte die Band verdient.

Guckt mal, was die Jungs so können. Ihr Debütalbum „Ballad of Crows“ haben sie übrigens übers Fundraising finanziert. Dort wo sie spielen, kann man es auch kaufen. Noch! Und wer an den Bildern von Kinki Texas interessiert ist, hat noch bis zum 20.12.2014 Zeit, sie sich anzusehen. Auch sehr hingehenswert.