[Serie:] Top of the Lake

Diese Neuseeländer haben es irgendwie drauf. Letzte Woche war’s lustig mit den blutsaugenden Boys aus Wellington. Diese Woche kommt preisgekrönte Spannung von dem Inselstaat. Und zwar mit einer Mini-Krimiserie, die ihr nicht verpassen solltet.

Top of the Lake heißt die sechsteilige Serie und die Story geht so: Die 12-Jährige Tui versucht, sich in einem kalten See zu ertränken. Doch bevor sie es schafft, wird sie widerwillens gerettet und man bringt die Kleine auf ein Polizeirevier. Dort stellt sich heraus, dass Tui im fünften Monat schwanger ist. Weil das Mädchen aber nicht redet, schaltet man die auf Kindesmissbrauch spezialisierte Polizistin Robin ein. Die möchte natürlich herausfinden, wer dem Mädchen das angetan hat, aber Tui scheint keinem Erwachsenen zu vertrauen. Bevor Robin richtig an sie herankommt, verschwindet das schwangere Mädchen spurlos. Nicht nur Robin macht sich Sorgen. Sondern auch der örtliche Drogenbaron Matt, der zufällig Tui’s Vater ist. Und in Robins Augen zu den Tatverdächtigen gehört. Ob Tui jetzt irgendwo tot herumliegt, wie manche behaupten, oder sich im Wald versteckt, erfährt man natürlich erst mal nicht. Die eigentlichen Fragen lauten für die Polizistin auch eher, warum die Kleine abgehauen ist und wovor sie solche Angst hatte. Deshalb lässt sie nirgends locker, sucht nach Tui und legt sich zur Not auch mit den Bad Boys aus ihrer alten Heimatstadt an.

Die Story an sich, kleines Mädchen aus einem Dorf in dem sich alle kennen verschwindet und alle suchen nach ihr, ist filmgeschichtlich nicht so neu. Da baut man bei Top of the Lake auf ein Gerüst, das schon in der Vergangenheit funktioniert hat. Aber die Serie, die von der Oscar-Preisträgerin Jane Campion und dem Australischen Screenwriter Gerard Lee produziert wurde, ist dabei so spannend, dass man sie bis zum Ende verfolgen möchte. Allein schon die Landschaftsbilder, die so wirken als wären sie eigens für’s Kino gemacht, machen die Serie sehenswert. Aber vor allem die Figuren, das langsame Erzähltempo, das mich teilweise an die Serie The Returned erinnert hat, und der sparsame Einsatz von Musik runden die Geschichte ab. Elisabeth Moss spielt eine authentische Robin, die bei ihrer Suche nach Tui auch von ihrem eigenen Schicksal eingeholt wird und sich diesem ungewollt stellen muss. Obwohl sie neben Tui die Hauptperson ist, und man sie deshalb am besten kennen müsste, bleibt sie dem Zuschauer teilweise unnahbar. Das muss auch ihr ehemaliger Schulfreund Johnno (Thomas M. Wright) feststellen, der ihr bei der Suche nur helfen will. Außerdem ist da noch dieser Chef von Robin, Al heißt er und wird gespielt von David Wenham. Mit dem ganzen Dorf bestens vernetzt, kommt er schnell an sämtliche Informationen ran. Aber ist das immer von Vorteil für alle Beteiligten oder profitiert am Ende nur einer davon: der scheinbar besorgte Vater (Peter Mullan), der aber gerne das ganze Dorf auf seine Art tyrannisiert?

Top of the Lake wurde bereits 2013 mit dem Critic’s Choice Television Award ausgezeichnet und Elisabeth Moss erhielt für ihre Rolle sogar einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin. Außerdem wurde im Oktober bekannt, dass es eine zweite Staffel geben wird! Yaay!
Die Serie lief zunächst auf Arte, momentan zeigt der WDR das preisgekrönte Stück und auf Netflix bekommt ihr sie immer zu sehen.

Top of the Lake. Neuseeland + Australien 2013. 6 Episoden in 1+ Staffeln.
R Jane Campion + Garth Davis. Mit Elisabeth Moss, Peter Mullan, Thomas M. Wright.

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